Junge Flüchtlinge

Kinder und Jugendliche, die allein nach Deutschland fliehen, haben ihre Heimat aus den unterschiedlichsten Gründen verlassen müssen. Die meisten von ihnen kommen aus Staaten wie Afghanistan, Syrien, Eritrea oder Somalia, in denen seit Jahren Krieg oder Bürgerkrieg herrscht. Viele haben den Tod oder die Misshandlung von Eltern, Geschwistern oder Freunden erlebt. Manche sind vor Zwangsrekrutierung, Kinderhandel, Zwangsheirat oder Genitalverstümmelung geflohen. Allein im Exil müssen sie sich in einem unbekannten Umfeld zurechtfinden, ihre Gewalterfahrungen und die Trennung von ihrer Familie verkraften und mit einer unsicheren Bleibeperspektive leben.

 

Für einige der jungen Flüchtlinge kann eine Pflegefamilie daher besonders geeignet sein, um Zuwendung und Halt zu finden. In einer Pflegefamilie können sie neue verlässliche Beziehungen aufbauen und bei der Entwicklung einer neuen Lebensperspektive intensiv unterstützt werden.

 

PFIFF sucht Pflegefamilien für junge geflüchtete Kinder und Jugendliche, die überwiegend zwischen 14 und 17 Jahren alt sind. Der Anteil an Mädchen und jungen Frauen liegt bei etwa zehn Prozent.

> Pflegefamilie werden

Sie wollen Ihr Zuhause für ein geflüchtetes Kind oder einen Jugendlichen öffnen? Dann sollten Sie offen und sensibel für die Fluchterlebnisse und soziokulturellen Erfahrungen der Jugendlichen sein. Es ist hilfreich, wenn Sie Erfahrung im Umgang mit Kindern und Jugendlichen und Verständnis für psychische Belastungen mitbringen.

Vielleicht haben Sie auch eine eigene Migrationsgeschichte und können gut nachvollziehen, was es bedeutet, seine Heimat zu verlassen.

 

Wenn Sie sich als Pflegefamilie für ein geflüchtetes Kind oder einen Jugendlichen bewerben möchten, gibt es einige grundsätzliche Voraussetzungen, die Pflegestellen in Hamburg erfüllen müssen. Hierfür durchlaufen Sie die entsprechende Vorbereitung wie in der Vollzeitpflege.

 

PFIFF bereitet Sie umfassend vor
Auf einem Informationsabend zum Thema Vollzeitpflege für junge Flüchtlinge erfahren Sie im Detail, welche Aufgaben auf Sie zukommen und wie PFIFF Sie dabei unterstützt.
Nach einem Erstgespräch und Ihrer Bewerbung erhalten Sie eine Schulung zur Aufnahme eines Kindes oder Jugendlichen in Vollzeit sowie weitere persönliche Beratungsgespräche. In der Schulung werden die wichtigsten Aspekte behandelt, die bei der Aufnahme eines jungen Flüchtlings in Ihrer Familie zu beachten sind. Sie erhalten umfassende Informationen zu den grundsätzlichen Fragen in der Dauerpflege sowie zu Themen wie Flucht und Trauma, interkulturelle Kommunikation, Asyl- und Aufenthaltsrecht, Umgang mit Rassismus und Diskriminierung.

> Pflegefamilie sein

Pflegefamilie eines jungen Flüchtlings zu sein, ist eine besondere Aufgabe. Denn Sie unterstützen ein Kind oder einen Jugendlichen aus einer anderen Kultur unmittelbar in seinem Alltag und helfen ihm dadurch, in der Gesellschaft Fuß zu fassen. Dabei können Sie als Familie neue, bereichernde Erfahrungen machen. Eine Beraterin oder ein Berater von PFIFF steht Ihnen dabei kontinuierlich zur Seite und unterstützt sie bei Fragen, die im Alltag mit einem jungen Flüchtling auftauchen.

Im Einzelnen kann das Zusammenleben mit einem jungen Flüchtling bedeuten:

  • Sie unterstützen den Erwerb der deutschen Sprache, aber auch den Erhalt der Herkunftssprache,
  • Sie stehen dem Jugendlichen bei der schulischen Integration und Berufsfindung zur Seite,
  • Sie begleiten die Trauer eines Jugendlichen aufgrund der Trennung von Familienangehörigen,
  • Sie sind eine emotionale Stütze im Asylverfahren,
  • Sie begleiten regelmäßige medizinische oder psychotherapeutische Behandlungen.

Pflegefamilien erhalten ein monatliches Pflegegeld sowie einen Beitrag zu den Kosten der Erziehung. Sie werden bei ihrer Aufgabe von Fachkräften kontinuierlich beraten und unterstützt.

PFIFF bietet Ihnen darüber hinaus regelmäßig Fortbildungsabende zu spezifischen Flucht- und Exil-Themen an. Und Sie haben die Möglichkeit, sich in einer Gruppe mit anderen Pflegefamilien, die einen jungen Flüchtling aufgenommen haben, auszutauschen.

> Häufige Fragen

Wie alt sind die unbegleiteten jungen Flüchtlinge in der Regel?

Etwa 90 Prozent der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge in Hamburg sind zwischen 15 und 17 Jahren alt, eine relevante Zahl von Kindern ist zwischen zehn und 14 Jahren alt. Kinder unter zehn Jahren sind nur in geringer Zahl vertreten. Etwa 90 Prozent der allein eingereisten jungen Flüchtlinge sind Jungen.


Aus welchen Herkunftsländern kommen die unbegleiteten jungen Flüchtlinge?

Hauptherkunftsländer oder -regionen sind Afghanistan, Eritrea, Somalia und der Nahe Osten (u.a. Syrien). Ein weiterer erheblicher Teil der Jugendlichen kommt aus Nordafrika (Ägypten, Marokko), Westafrika (Guinea, Gambia) sowie dem Iran und Irak.

Ist es möglich, ein Waisenkind aufzunehmen?

In den meisten Fällen haben die unbegleiteten jungen Flüchtlinge noch Eltern oder Elternteile, die im Herkunftsland leben oder auf der Flucht aufgehalten wurden. Insofern geht es für die jungen Flüchtlinge oft darum, wieder Kontakt zu ihren Eltern aufzunehmen oder herauszufinden, wo sie verblieben sind. In einigen Fällen können Eltern auch noch nachreisen oder im Rahmen des Familiennachzuges nach Deutschland kommen. Pflegefamilien sollten sich daher darauf einstellen, dass die Perspektive des Kindes in der Familie begrenzt ist. Waisenkinder sind eher selten unter den jungen, unbegleiteten Flüchtlingen.


Können wir einen jungen Flüchtling aufnehmen, wenn wir kleine Kinder haben?

Es ist nicht möglich, ein Pflegekind aufzunehmen, wenn ein Kind unter zwei Jahren in ihrer Familie lebt. Wenn Sie ältere Kinder haben, gilt die Regel, dass das Pflegekind möglichst das jüngste Kind in der Familie sein sollte. In Einzelfällen kann aber auch entschieden werden, dass ein Pflegekind aufgenommen wird, das älter ist als die bereits in der Familie lebenden Kinder. Dies würde im Rahmen des persönlichen Erstgesprächs und der Vorberatung gemeinsam geklärt.

 

Können wir uns als Pflegefamilie bewerben, wenn wir außerhalb von Hamburg wohnen?

Junge unbegleitete Flüchtlinge, die in Hamburg in Obhut genommen wurden, werden in der Regel innerhalb von Hamburg untergebracht. Im Einzelfall ist jedoch auch die Unterbringung in einer Pflegefamilie außerhalb von Hamburg möglich. Sie können sich also auch als Pflegestelle mit Wohnsitz außerhalb Hamburgs bewerben. Zudem können Sie sich bei Ihrem örtlich zuständigen Jugendamt erkundigen, ob in Ihrer Kommune oder Ihrem Landkreis minderjährige unbegleitete Flüchtlinge aufgenommen wurden, die in Pflegefamilien vermittelt werden sollen.

 
Welche Voraussetzungen braucht man als Pflegefamilie im Hinblick auf Einkommen und Wohnraum?

Pflegefamilien benötigen ein Einkommen, das über dem Sozialhilfesatz liegt, so dass sie nicht auf das Pflegegeld angewiesen sind. Der junge Flüchtling sollte die Möglichkeit haben, ein eigenes Zimmer zu bewohnen. Alle Familienmitglieder benötigen eine Rückzugs- und Schlafmöglichkeit außerhalb des gemeinsam genutzten Wohnzimmers.

 

Können wir nach Aufnahme eines jungen Flüchtlings weiterhin voll berufstätig sein?

Wenn Sie ein schulpflichtiges Kind oder einen Jugendlichen aufnehmen, kommt es vor allem darauf an, dass sie zu den Zeiten, zu denen das Kind nicht in der Schule ist, zu Hause präsent sein können. Vielleicht können Sie ihre Arbeitszeit entsprechend flexibel gestalten oder reduzieren. Möglicherweise sind bei Aufnahme des Kindes oder Jugendlichen einige Wochen zu überbrücken, in denen noch kein Schulplatz zur Verfügung steht. Hier müsste dann evt. durch Urlaub bzw. Sonderurlaub ermöglicht werden, dass eine Pflegeperson das Kind zu Hause betreut.

 

Was müssen wir im Einzelnen tun, um Pflegefamilie zu werden?

Der erste Schritt ist die Teilnahme an einem Infoabend „Vollzeitpflege für junge Flüchtlinge“ bei PFIFF. Dann folgt ein persönliches Erstgespräch bei dem Pflegekinderdienst in Ihrem Wohnbezirk. Interessenten aus Wandsbek, Altona oder Bergedorf können sich auch bei PFIFF bewerben.
Wenn die formellen Voraussetzungen erfüllt sind, nehmen Sie an zwei Seminaren zur Qualifizierung von Dauerpflegefamilien teil. Die Seminare werden teilweise als Wochenendseminare, teilweise in Form von Abendveranstaltungen angeboten und umfassen insgesamt 30 Stunden. Darauf folgt eine persönliche Vorberatung bzw. Eignungseinschätzung, die etwa fünf Gesprächstermine inkl. Hausbesuch beinhaltet. Der gesamte Prozess der Vorberatung und Qualifizierung kann sechs bis neun Monate dauern.

> Kontakt

Für einen ersten Kontakt wenden Sie sich bitte an unsere Geschäftsstelle unter der Telefonnummer 040.41 09 84-60.

 

Ansprechperson in unserem Team Junge Flüchtlinge:

Anja Hense
040.41 09 84-69 E-Mail

 

>> Unsere nächsten Informationsveranstaltungen <<

---------------------------------------

Aufruf an Pflege- und Adoptiveltern: Klären Sie Ihr Rentenkonto!
Pflege- und Adoptiveltern, die ein Kind vor Vollendung des 10. Lebensjahres angenommen haben, werden von PFAD-Bundesverband e.V. darauf hingewiesen, möglichst schnell eine Kontenklärung beim zuständigen Rentenversicherungsträger zu beantragen, damit ihnen auch ihre zustehende Rente gutgeschrieben wird. Mehr dazu hier.

---------------------------------------

Die Empfehlungen des Deutschen Vereins zur Fortschreibung der Pauschalbeträge in der Vollzeitpflege (§§ 33, 39 SGB VIII) für das Jahr 2019 können Sie hier aufrufen.

 

---------------------------------------

Frisch erschienen: eine Expertise zur Vormundschaft in der Pflegekinderhilfe, erstellt von Christian Erzberger und Henriette Katzenstein für das Dialogforum Pflegekinderhilfe. Hier kann sie aufgerufen werden.

-